Fachgespräch zum Hebammenhilfevertrag: Cuny setzt sich für Wahlfreiheit des Geburtsorts ein
SPD-Landtagsabgeordneter und Kollegin Kirschbaum im Austausch mit Beleghebammen an der GRN-Klinik Weinheim
„Gerade im Rahmen einer Geburt brauchen Familien – aber auch die Hebammen – maximale Sicherheit und Vertrauen“, so der Familienvater Sebastian Cuny während eines Fachgesprächs mit Landtagskollegin und Hebamme Simone Kirschbaum sowie Stefanie Krackhecke und Sarah Steinbach vom Team der Beleghebammen an der GRN-Klinik Weinheim. Mit den Änderungen des Hebammenhilfevertrags, die zum 1. November wirksam wurden, sind viele Unsicherheiten in der Geburtshilfe entstanden. Für Beleghebammenteams, die qualitativ hochwertige Arbeit mit viel persönlichem Einsatz und Herzblut leisten, kommen zudem drastische finanzielle Einbußen dazu. Einige Teams mussten deshalb bereits aufgeben, was zu Versorgungsengpässen auch in der Region führen könnte. SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Cuny dazu: „Die Wahlfreiheit des Geburtsorts muss unbedingt gewährleistet werden. Das kann schnell kippen, da die Teams der Beleghebammen durch den neuen Vertrag stark unter Druck stehen. In der Region begleiten sie 3.500 bis 4.000 Geburten im Jahr – unvorstellbar, wenn diese durch andere Kliniken aufgefangen werden müssten.“
Auch die SPD-Landtagsabgeordnete aus Backnang, Simone Kirschbaum, selbst Hebamme kritisiert den Vertrag: „Alle Seiten streben die 1:1 Betreuung während der Geburt an, das ist das Beste für Mutter und Baby. Aber der Weg ist der falsche. Beleghebammenteams können am besten die 1:1 Betreuung gewährleisten, gerade sie leiden aber besonders unter den Änderungen“. Neben den finanziellen Einbußen kommen viele Unsicherheiten hinzu. So ist es vom neuen Hebammenhilfevertrag zum Beispiel nicht mehr vorgesehen, dass Frauen, die sich ohne vorherige telefonische Anmeldung im Kreißsaal vorstellen und nicht stationär aufgenommen werden müssen, von Beleghebammen betreut werden. Daher kann es nun passieren, dass Schwangere teilweise lange Wartezeiten auf sich nehmen müssen, während eine Hebamme sie bereits betreuen könnte, aber nach dem neuen Vertrag nicht mehr darf.
Stefanie Krackhecke und Sarah Steinbach erzählen von dem Arbeitsmodell, das sie sich selbst als Team von 14 Hebammen aufgebaut haben: „Partnerschaftlich, nach den eigenen Bedürfnissen organisiert und mit großem Teamzusammenhalt. Wir arbeiten gerne, erfahren untereinander Wertschätzung und selbstwirksame Arbeit. Wir wollen und die meisten von uns können nicht zurück ins Angestelltenverhältnis, denn acht der 14 Hebammen haben kleine Kinder, viele sind alleinerziehend. Schichtbeginn um 6 Uhr morgens ist für uns einfach nicht machbar. Vor unseren 12-Stunden-Schichten ab 8 Uhr morgens können wir unsere Kinder in die Schule oder den Kindergarten bringen und dann motiviert in den Arbeitstag starten“, so die Hebammen. Müssten sie ihr Beleghebammensystem aufgeben, könnten sie Familie und Beruf nicht mehr vereinbaren.
Auch das ist ein Grund für SPD-Landtagsabgeordneten Sebastian Cuny, an dem Thema dran zu bleiben und die Landesregierung zum Handeln aufzufordern: „Es kann nicht sein, dass der grüne Gesundheitsminister Lucha sich rausredet und sagt, er könne erst tätig werden, wenn Versorgungsengpässe bestehen. Dann ist es zu spät. Meine Kollegin Simone Kirschbaum und ich werden entsprechende parlamentarische Initiativen stellen.“

